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Moet er een afzonderlike ‘leestaal’ bestaan?

Die Grenze zwischen den beiden hier unterschiedenen Sprechweisen, dem Gespräche und der rednerischen Sprache, sind natürlich nicht absolut, und es kann viele Übergangsglieder geben, wie z.B. die Sprache des Lehrers einer kleineren Klasse gegenüber. Wollte man aber als eine dritte Art die Lesesprache aufstellen und besondere Regeln über die beim Vorlesen zu benutzende Aussprache geben, so würde ich diesem Verfahren nicht beipflichten können. Es liegt gar kein Grund vor, beim lauten Lesen eine andere Aussprache als bei jedem anderen lauten Sprechen zu verlangen. Im Gegenteil besteht die Kunst des Vorlesers darin, so zu sprechen, dasz der Zuhörer das beim Lesen benutzte Buch oder Papier zu vergessen veranlaszt wird. Derjenige Prediger oder sonstige Redner, der sein eigenes Manuskript vorliest, musz dieses in derselben Weise tun können, als ob die betreffende Wörter und Sätze während des Sprechens auf natürliche Weise in ihm als gedanken entständen, und wer das Werk eines andern vorliest, musz dieses mit derselben Aussprache und Betonung tun, als ob dieselben Worte von ihm selbst und nicht von einem andern herrührten.....

Wer das Vorlesen mit einiger Kunst betreibt, wird dann auch veraltete Formen vermeiden und selbst wo das Buch z.B. ‘es wallet, es brauset’ hat, stets ‘es wallt’ und ‘es braust’ lesen. Die natürlichste, alltägliche Form ist auch beim Vorlesen die beste, ausgenommen natürlich, wo der Versrythmus die ältere vollere Form erheischt. (Und es wallet und siedet und brauset und zischt). Weder wissenschaftlich noch praktisch scheint somit ein Grund vorhanden zu sein, die Lesesprache als etwas Besonderes auszuscheiden oder andere Regeln für sie zu geben als diese: man folge der Aussprache der natürlichen Sprache (je nach den Umständen der Sprache der Unterhaltung oder der Rede) so genau wie möglich.

(Prof. Otto Jespersen: Phonetische Grundfragen, blz. 63-64),

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